Die Vorstellung
Jan Konfršt über sich selbst

Im Vorwort meines bis jetzt einzigen Buches habe ich geschrieben: "Jahre wartete ich auf diesen Augenblick, in dem ich das alles weitergeben darf, was mir kennen zu lernen ermöglicht wurde".

Ich glaube, dass dieser Satz das Motto meines Lebens beinhaltet und auch eine Reihe von meinen Eigenschaften ausdrückt. Rückblickend auf meine Jugend kann ich sagen, dass ich mich im Grunde genommen nicht wesentlich von meinen Zeitgenossen unterschied. Falls ich doch wenigstens eine Eigenschaft, die mich mein ganzes Leben im positiven Sinne des Wortes begleitet, hervorheben sollte, dann ist es die Empfindsamkeit, die Empathie. Richtig nutzen, und nicht nur für mich selbst, konnte ich sie erst viele Jahre später.

In meinem bisherigen Leben schrieb ich schon mehrmals meinen Lebenslauf.

Für die jetzige Generation wäre der Still dieses Schriftstückes, der früher unentbehrlich war, sicher völlig unverständlich. Um so deutlicher und mit Freude bin ich mir der Möglichkeit bewusst, mich frei und mit einer klar definierten Absicht zu meiner Vergangenheit äußern zu dürfen. Gerade dieses wäre in der noch gar nicht weit entfernten Vergangenheit kaum möglich gewesen.

Einen Lebenslauf aus der Sicht der erreichten inneren Reife zu schreiben, empfinde zumindest ich persönlich als etwas Erhabenes. Hätte ich Gott in meinen Lebenslauf nicht integriert, wäre meine Beichte unvollkommen und auch zum Teil unverständlich. Damals, ich war elf oder zwölf Jahre alt, sah ich es natürlich nicht so wie heute. Das änderte aber nichts an der Tatsache, dass ich gerade in dieser Zeit zum ersten mal von Ihm intensiv angesprochen wurde. Ich erlebte meine erste Vision. Zu meinem Leidwesen verstand und begriff ich sie nicht. Vielleicht auch deshalb, weil ich mich niemandem anvertraute. Trotzdem war dieses Erlebnis für mich so intensiv, dass ich es noch heute bis ins kleinste Detail in meiner Erinnerung habe. Die mystische Wahrheit ist unübersehbar und unvergesslich zugleich.

In dieses Leben kam ich mit innerer Veranlagung bereits ausreichend vorbereitet, um die Aufgabe zu erfüllen, zu der ich mich allerdings erst später verpflichtete. Zu dieser Aufgabe wurde ich in meiner ersten Vision bereits vor vielen Jahren aufgefordert. Dass ich sie damals nicht verstand, bedauere ich nicht. Ich bereue nichts in meinem Leben. Über die starken Schmerzen, unter denen ich in folgenden Jahren zu leiden hatte, war ich weder verärgert, noch machte ich jemand dafür verantwortlich. In meiner Einstellung zu diesem Zustand verhielt ich mich nicht passiv leidend, sondern, zwar mit Demut akzeptierend, dennoch fest entschlossen, ihn zu beenden. Das war dafür entscheidend, dass ich die gleiche Vision ein Viertel- Jahrhundert später noch einmal erleben durfte. Ich wurde zum zweiten mal gelockt. Ich wurde gelockt, eine grundsätzliche Veränderung in meinem Leben vorzunehmen. Das alles in einer Zeit, in der ich bereits sowohl äußerlich als auch hauptsächlich innerlich dazu wesentlich besser vorbereitet war. Die äußerliche Unzufriedenheit und auch der innere Widerstand – die Stimme meiner Seele - wurden immer stärker. Ich wechselte radikal die Art, wie ich meinen Lebensunterhalt verdiene – meinen Beruf und ich begann, mich aufgrund der dritten Aufforderung meines geistigen Begleiters – Gott, intensiv einem neuen Aspekt in meinem Leben zu widmen – der geistigen, spirituellen Arbeit. Endlich verstand ich und mit großer Freude und Entschlossenheit folgte ich dem Lockruf, in die Welt der Ruhe und Liebe einzutauchen. Bewusst begab ich mich auf den Weg – meiner Seele und der wartenden Umarmung Gottes entgegen.

Ich wählte jetzt absichtlich eine etwas erhabene Formulierung, um gleichzeitig und mit Nachdruck sagen zu können, dass ich mich von dieser Schönheit der inneren Welt nicht dazu verführen ließ, zu vergessen, was ich bin, wo ich lebe, und dass ich einen materiellen Körper habe. Obwohl das neu Entdeckte bei mir bis dahin beinahe völlig unbekannte euphorische Zustände verursachte, hatte ich gleichzeitig auch genug Kraft, mir der Tatsache bewusst zu werden, dass ich ohne diesen materiellen Körper die Schönheit dieser inneren Welt nicht erleben könnte. Auch das war ein Ergebnis meiner vorherigen Vorbereitung. Ein nicht zu vernachlässigender Nebeneffekt meiner Lebenswandlung war eine schlagartige Verbesserung meines Gesundheitszustandes. Jahrelange Beschwerden und hartnäckige Schmerzen verschwanden urplötzlich. Ich widmete mir selbst das erste einer ganzen Reihe Geschenke, mit denen ich in der Folgezeit überhäuft wurde.

Die Sehnsucht, die Entschlossenheit und die Demut – Eigenschaften die mich auf meinem Weg begleiteten, waren dafür entscheidend, dass ich mich angesichts der Vergänglichkeit der Zeit und der Ewigkeit des Lebens in relativ kurzer Zeit für einen symbolischen Schritt bereit machte – für das Einswerden mit Gott. Dieser Schritt wurde mir ermöglicht und ich geriet in eine Welt, deren Existenz ich vielleicht ahnte, aber die Reinheit und Intensität der Erlebnisse in ihr kann sich nur derjenige vorstellen, dem es erlaubt wird, in dieser Welt zu leben. Ein Zustand der freien Kommunikation mit der eigenen Seele. Ein freies Gespräch, die Freiheit des Seins. Ein immerwährender Kontakt mit dem Universum, mit Gott, ein Leben in ständiger Verbindung mit dem Universellen Bewusstsein.

Ich wurde aufgefordert mich vorzustellen. Der Grund dafür ist offensichtlich. Wer den Autor der veröffentlichten Informationen wenigstens zum Teil kennen lernt, kann sie besser begreifen und verstehen; zugleich kann es die Glaubwürdigkeit des Mitgeteilten erhöhen. Ich persönlich habe aber nicht das Bedürfnis, mich in den Vordergrund zu stellen; deshalb hielt ich meine Vorstellung eher allgemein, um eine andere Tatsache zu betonen, die eine viel wichtigere Auswirkung hat. Wir alle sitzen in einem Boot. Aus diesem Grund versuchte ich auf diesem begrenzten Platz in aller Kürze den Weg eines Menschen zu beschreiben, der sich entschloss der Aufforderung zu folgen, sein Leben um die geistige, spirituelle Dimension zu bereichern. Mag sein, dass ich dazu doch eine bessere Voraussetzung hatte, ich will aber etwas anderes hervorheben. Ich halte mich auch heute nicht für einen außergewöhnlichen Menschen. Ich weiß nämlich, dass wir alle diese Möglichkeit haben und dass wir sie alle nutzen werden, wenn auch erst in Zukunft. In diesem Sinne handelt es sich hier nur um eine zeitliche Verschiebung.

In der Gegenwart realisiere ich die Berufung, zu der ich mich selbst verpflichtete. Das was ich selbst kennen lernte, gebe ich in schriftlicher Form, oder mittels persönlicher Begegnungen an die Menschen weiter. Ich bezeichne diese Begegnungen, dieses Zusammentreffen als "Gespräche", denn es wird bei diesen Treffen über von den Teilnehmern gewählte Themen lebhaft diskutiert. Zustimmung, ein Buch zu schreiben. Ungleich länger widmete ich mich der Selbsterkenntnis und der persönlichen Transformation als eine Art Vorbereitung auf meine jetzige Aufgabe. Es handelt sich dabei in erster Linie um harte Arbeit. Es ist eine Tätigkeit, in die man viel Energie stecken muss und bei der man Eigenschaften, die ich bereits erwähnte, auch zu verwirklichen hat. Ich bereue nichts von dem, was ich erlebte, auch wenn sich glückliche Augenblicke manchmal mit schmerzlichen Erlebnissen abwechselten. Als Belohnung dient mir mein jetziges Leben in Gottes Umarmung voll von Liebe, und die leuchtenden Augen der Menschen, die dank mir zu einer, sei es auch nur einer winzig kleinen, Erkenntnis gelangten.

Jan Konfršt


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